Sein Leben (1862-1914)

Joseph Déchelette ist in Saint-Maurice kein Unbekannter. An mehreren Stellen des Ortes erinnert man sich an ihn.

Sein Haus mit dem außergewöhnlichen Kamin, weswegen er ins Dorf kam, befindet sich direkt neben dem Turm. Als er im Jahre 1906 nach Saint-Maurice kam um diesen Kamin zu kaufen, war er begeistert von der Gegend und kaufte das Haus für seine junge Frau Jane Bonnier die er 1905 heiratete. Vor dem ersten Weltkrieg verbrachte er dort jeden Sommer. Nach seinem Tod im Jahre 1914 setzte Frau Déchelette diese Gewohnheit bis zu ihrem Tode im Jahre 1958 fort.

Die Fresken vom 13. Jahrhundert der Kirche von Saint-Maurice, die den romanischen Chor schmücken, wurden zufällig im Jahre 1911 entdeckt. Joseph Déchelette überwachte ihre Restaurierung, untersuchte und ließ sie klassifizieren.

Der Platz du Guet: von hier man eine Aussicht auf mehrere seiner Ausgrabungsstätten.

  • L’oppidum gallo-romain von Joeuvres (am anderen Ufer der Loire). Im Jahr 1880 wurden während Arbeiten für einen Weinberg Spuren von antiken Bauten gefunden. Im Jahre 1911 hatte Joseph Déchelette mehrere Gegenstände erhalten zum Beispiel Amphoren, Keramiken und kleinen Statuetten aus Bronze unter anderem ein Wildschwein und ein Pferd, ein bemerkenswertes Zeugnis keltischer Kunst, die auf das erste Jahrhundert vor Christi Geburt geschätzt wurden.
  • Die gallische Festung Lourdon mit ihrer verglasten Mauer (Gemeinde von Villerest).
  • Die Siedlung der Magdaléniens beim Saut du Perron heute durch den Stausee von Villerest verborgen.

Die Kriegsdenkmäler von 1914-1918

Trotz seines Alters von 52 Jahren meldete er sich bei Ausbruch des Krieges freiwillig bei der Armee. Am 3. Oktober 1914 wurde er an der Frontlinie schwer verletzt, starb ein Tag danach und wurde in Vingré beerdigt. Die ganze Welt gab ihm die letzte Ehre. Bescheiden konnte ihn Saint-Maurice nur als Ersten seiner Kinder „gestorben auf dem Feld der Ehre” mit seinem Namen auf dem Monument auf dem Friedhof und in der Kirche eintragen.

Marie-Suzanne Binétruy (die auch ein Haus im Dorf besitzt), hat am 18. Dezember 1989 in der Université von Paris I -Pantheon-Sorbonne- eine These, Zyklus III über Joseph Déchelette vorgestellt. Sie war auch Autorin der ersten Biografie des Archäologen, die im Jahre 1994 veröffentliche wurde.

Joseph Déchelette wurde in Roanne geboren. Nach seiner Studienzeit bei den Maristes von Saint-Chamond trat er als Handelsreisender in das familiäre Webereiunternehmen ein. Zwanzig Jahre lang durchquerte er Europa, den Mittelmeerraum und Süd-Frankreich, um die beste Baumwolle zu suchen und dabei die Produkte des Hauses anzubieten: Baumwollwaren und Tücher von Vichy.
Bei diesen Handelstourneen benutzte der junge Mann die Gelegenheit Museen, Kirchen und Grabungsstätten zu besuchen. In seinen Notizbüchern machte er Skizzen und notierte Besonderheiten zwischen der Arbeit mit seinen Aufträgen. Er verließ die Industrie 1899, um sich nur seinen archäologischen Arbeiten zu widmen.

Am 7. Februar 1884 wird Jospeh Déchelette an der Diana angenommen, eine historische und archäologische Gesellschaft du Forez. In dieser Umgebung beendet er seine Ausbildung als Historiker, lernte Ausgrabungen führen, verschiedenste Auskünfte einholen und sie einzuordnen.
Am 29. März 1887 wird er von der Gesellschaft der schönen Künste der Departements als Korrespondent ernannt und somit der Ansprechpartner für unsere Region. Er unternimmt mehrere Erhaltungsmassnahmen bei verschiedenen Monumenten der Umgebung (auch das Kloster von Charlieu), Identifikationen und Veröffentlichungen wie beispielsweise über das Triptychon von Ambierle oder die Glasmalereien von la Bénisson-Dieu.

Die Ausgrabungen seines Onkel Buillot ab 1867, führten zur Entdeckung des Standortes von Bibracte auf dem Berg Beuvray (Bibracte war die Hauptstadt Eduens aus der Zeit Cäsars). Sobald er konnte unterstützte ihn Joseph Déchelette bei seinen Forschungsarbeiten. Ab 1897 bis 1907 setzte er die Arbeiten seines Onkels fort.
Die Ergebnisse seiner Ausgrabungen und das was er in den verschiedenen Museen finden konnte, ermöglichten ihm eine Studie über Les vases et céramiques ornées de la Gaule Romaine (Vasen und verzierten Keramiken von römisch Gallien) zu schreiben.

Im Jahr 1899 während eines Besuchs des Museums von Prag, bekam er das Gefühl der Einheit des keltischen Volkes und es wurde ihm offensichtlich, dass es möglich sein müsste, nach den Entdeckungen, die Geschichte der Kelten nachzuzeichnen. Salomon Reinach, conservateur du musée des Antiquités Nationales de St-Germain en Laye brachte ihn dazu, das Manuel d’archéologie préhistorique, celtique et gallo-romaine (Handbuch für prähistorische, keltische und gallo-römische Archäologie) zu schreiben. Die zwei ersten, der Vorgeschichte gewidmeten Bücher kamen im Jahre 1908 heraus. Für die keltische Archäologie wurden drei Bücher veröffentlicht, die im Jahre 1910 und 1913 erschienen.
Der Krieg von 1914-1918 unterbrach diese Veröffentlichung. Nach dem Krieg wurde das Handbuch mit den Vermerken von Joseph Déchelette für die gallo-römische Periode fortgesetzt. Heute sind diese Werke noch eine Referenz für die Forscher. Sie sind zweimal seit seinem Tod neu aufgelegt worden: zuerst von 1924-1927 und wieder im Jahre 1987-1989.